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Von Lettern, die die Welt bedeuten - Autorenkongress in Birkenwerder 2017

Ein Bericht von Oliver Guntner

31.03.2017

Zum 2. Mal richtete der Freie Deutsche Autorenverband FDA, Landesverband Berlin einen Autorenkongress in Birkenwerder aus. Wie im vorherigen Kongress orientierten sich die angebotenen Themen dabei an alle, die dem Handwerk der Schreiberei in jeglicher Art verbunden sind. Mitmachen konnten auch Nicht-Mitglieder und die Teilnehmerzahl von 23 bezeugt mit Stolz das wachsende Interesse an der hervorragend konzipierten Tagung.

 

Nach der individuellen Anreise eröffnete Inge Beer, Vorsitzende des FDA LV Berlin, kurz, aber herzlich, die Veranstaltung. Einige Gesichter erkannten sich noch von der letzten Tagung, aber ab und zu sah ich das eine oder andere Augenpaar, dessen Blick nach etwas suchte, an dem sich sicher festgehalten werden konnte. Fremd blieb man jedoch nicht lange; und obwohl die Berliner stark vertreten waren, bewegte der Drang, alte Bekanntschaften wiederzusehen oder neue Gleichgesinnte zu finden, die Angereisten nicht nur über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus – er ließ sie auch die Tische nach dem Abendessen wechseln, welches sich die Gäste mit dem längsten Reiseweg redlich verdient hatten. Vielleicht lag es aber auch an der Natur der Dinge; jedes Geschöpf fragt irgendwann nach dem Schöpfer und jeder Erschaffer braucht eine Kreation, ansonsten ist der Titel hinfällig. Alle erhielten einen Zettel mit entweder einem Autor oder einem Werk – und so fand man sich in Paaren, um sich einander zu interviewen und später der Gruppe vorzustellen. Shakespeare machte „Viel Lärm um nichts“; ich machten Bekanntschaft mit Schillers „Handschuh“ (ohne ihn ins Gesicht oder vor die Füße zu bekommen) und manch einer fragte noch immer grübelnd, wer nun „Das kalte Herz“ erschaffen hatte. Zu Hauf(f) bestand aber Einigkeit. Das Spiel war jedenfalls eine nette Möglichkeit, die Gemeinschaft zu erkunden und die Scheu zu verlieren.

Eines der besonderen Bücher wird vorgestellt. Foto: J. T. A. Wegberg
Eines der besonderen Bücher wird vorgestellt. Foto: J. T. A. Wegberg

 

Da wir nun etwas über uns berichtet hatten und Schreibende, wie ja allgemein bekannt ist, bescheiden sind, sollten jetzt Bücher vorgestellt werden. Je 5 Minuten waren erlaubt, um ein nicht selbstverfasstes Werk dem Auditorium zu präsentieren. Hier eine kurze Liste der Empfehlungen unserer Redner:

 

  • „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke
  • „Die Armenierin“ von Thomas Hartwig
  • „Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King
  • „Jenseits von Eden“ von John Steinbeck
  • „Nur du kannst die Menschheit retten“ von Terry Prachett
  • „Die zehn wichtigsten Fragen des Lebens – in aller Kürze beantwortet“ von Gregor Eisenhauer

 

Nach den Vorstellungen gesellten wir uns in fröhlicher Runde in offenen Gesprächen und Diskussionen und harrten der Dinge, die unserer morgen kommen würden.


01.04.2017

Katja Mischke erklärt die Struktur eines Drehbuchs. Foto: J. T. A. Wegberg
Katja Mischke erklärt die Struktur eines Drehbuchs. Foto: J. T. A. Wegberg

Genogramm und Drehbuch waren die beiden Schlagwörter, unter denen der heutige Vormittag stehen sollte. Katja Mischke stand uns bei unseren ersten Schritten in die Welt des Drehbuchs kompetent und überzeugend zur Seite. An Beispielen vorgeführt, entpuppte sich das Drehbuch als nüchterne Schilderung der physischen Handlung und der Dialoge. Da in der Filmaufführung ca. 90% der Eindrücke des Rezipienten auf visueller Basis vermittelt werden, ist im Drehbuch kein Platz für tiefere Reflektionen, für Emotionen oder gar detailliere Regieanweisungen.  Anders im Roman, wo die kittende Substanz der Ausbau aller Beziehungen und Gefühle zwischen den Charakteren ist und beim Lesen das individuelle Kopfkino abgespielt wird, sind es im Film Regisseur und Produzent, welche Entscheidungsgewalt über die Kameraperspektive, Hintergründe, Filmmusik etc. haben. Selbst die Schauspieler sind es, welche ihre Interpretation der derzeitigen Emotionen in einer Szene beimengen. Ein Roman ist das Fantasiegebilde des Schreibenden, der Film die Komposition vieler unter der Anleitung weniger. Nicht nur die erhöhte Visualisierung, sondern auch dieser beschneidende Prozess spiegelt sich in der Aussage wieder, das Kino stecke den Kopf in eine Uniform.

Für uns war es dennoch ein interessanter und auch herausfordernder Exkurs in eine Welt, in welcher der Autor nur die Blaupausen entwirft, ein Skelett, eine Rohkonstruktion, ohne Farbe und bar jeder überflüssigen Emotion. Der krasse Schnitt ist wohl milder zu verkraften für alle, die Dramatik schreiben. Dennoch hörte man begeistertes Flüstern aus unseren Reihen; die Absicht, sich auch mal an ein Drehbuch zu wagen – und damit war der Workshop in meinen Augen erfolgreich.

Ein typisches Genogramm. Foto: O. Guntner
Ein typisches Genogramm. Foto: O. Guntner

Erwartungsvoll stellten wir uns im nächsten Workshop dem Genogramm. Wie uns Helga Rattay erklärte, versteht die Familienforschung darunter eine piktografische Verdeutlichung von Familienverhältnissen. Wie genau kennt man das eigene familiäre Umfeld? Die gleiche Frage kann man sich auch für die Figuren des eigenen Romans stellen. Im Genogramm können verdrängte oder bis dahin verborgen gebliebene Aspekte aufgedeckt werden: Hat eine Fehlgeburt oder eine Scheidung die Kinder oder Geschwister einer Person beeinträchtigt? Hat das Drogen- oder Alkoholproblem des Großvaters etwas mit der misslichen Lage seines Enkels zu tun? Wie nahe stehen sich Schwager und Cousine? Fragen, die nicht nur in der Literatur für Konflikte oder Handlungsstränge sorgen können.

Mit Hilfe des Genogrammes kann man das soziale Umfeld einer Person systematisch herausarbeiten und ihr so eine soziologische Tiefe geben. Natürlich sind Abhängigkeiten niemals monokausal, aber für die fiktionale Beweisführung reicht ein logischer Zusammenhang aus – und eine stimmige, in sich geschlossene Verhaltensweise ist Grundpfeiler einer plastischen Figur.

Im zweiten Teil des Workshops widmeten wir uns dem Familienbrett. Dort bekommt jede agierende Person eine Holzfigur zugeordnet, an deren Habitus bereits auf die Persönlichkeit zurück geschlossen werden kann. Auf einer begrenzten Fläche werden diese zueinander positioniert. Auch hier bieten Blickrichtung und Distanz Einblicke in die Beziehungen zwischen verschiedenen Personen.

Wir sind Stellvertreter der Figuren auf dem Familienbrett. Foto: J. T. A. Wegberg
Wir sind Stellvertreter der Figuren auf dem Familienbrett. Foto: J. T. A. Wegberg

Bei unserer Veranstaltung haben wir das Familienbrett in Stellvertreterfunktion durchgespielt. In unserer rasch erfundenen Geschichte über Monika, 42, die im klinischen Bereich arbeitet und dort schon fünf Patienten in einen ewigen, medikamentgesüßten Schlaf gepflegt hat - über Monika hatten wir unsere Zweifel. Wie verkraftet sie im Moment die Anhänglichkeit ihres Stiefsohns? Verfolgt sie noch der Geist ihres Großvaters, welcher ebenso eine lange Leidensgeschichte in klinischer Obhut ertragen musste? Was ist mit der Liebesbeziehung zwischen Monikas Ex-Freund und ihrer Schwester? All diese Impulse prasselten auf Monika ein – und wir wussten nicht, was sie jetzt tun oder wie sich ihr Umfeld verhalten würde.

Als Stellvertreter für die einzelnen Rollen stellten wir uns auf einer abgegrenzten Fläche auf. Jeder hatte die Möglichkeit, einem der verschiedenen Impulse (z.B. Nähe suchen, flüchten, sich von jemanden abwenden) auf Kommando zu folgen und sich im Raum neu zu positionieren. Diese Impulse waren es, die unsere Figuren auf der Spielfläche bewegt haben – das Hirn sollte ausgeschaltet sein. Am Ende kam die Flucht Monikas, fernab ihrer sozialen Bindungen, als Möglichkeit in Betracht. Das Potential eines Neuanfangs brächte einen Wendepunkt in der Geschichte und damit die Möglichkeit, an einem neuen Weg, auf dem Papier nicht vorgesehen, weiterzuschreiben. Die Vertreterposition ist allerdings nur geeignet, wenn eine Fachkraft Aufsicht hat und darf nicht verabsolutiert werden, da viel Raum für Fehlinterpretation gegeben ist und das Prozedere nur zur Ideenfindung generiert werden sollte.

Die Kongressteilnehmer verfolgen den Vortrag. Foto: J. T. A. Wegberg
Die Kongressteilnehmer verfolgen den Vortrag. Foto: J. T. A. Wegberg

Frohen Mutes über das Gelernte und den Einblick in den Werkzeugkasten der therapeutischen Psychologie, wappneten wir uns nach dem Mittag und einer kurzen Verschnaufpause, um erneut einen Schritt in eine unbekannte Richtung zu wagen: Abini Zöllner, ehemalige Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel, erklärte uns ausführlich die Unterschiede zwischen journalistischem, biografischem und literarischem Schreiben. Der Vortrag zeigte solide die Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf, war informativ und einprägsam. Größeres Interesse weckten bei mir allerdings die kleineren Diskussionen zwischen den Unterthemen:

Immer während aktuell ist die Legitimation der Medien als vierte Gewalt im Staat. Gerade durch die Vernetzung hat der Beruf des Journalisten eine neue Eigen- und Fremdverantwortung für die geleistete Arbeit übernommen. Durch die jüngste Vergangenheit geistern die Wörter „Lügenpresse“ („Lückenpresse?“) und „Fake News“ - und gleichzeitig wird mir vorgetragen, dass Journalisten an Fakten gebunden und neutral schreiben sollen. Was ist Objektivität, wenn der Journalist selbst engstirnig bleibt? Wie wertvoll sind Recherche und freie Meinung, wenn dem Medienhäusern das Geld zusammengestrichen wird? Texte werden vor dem Andrucken nicht mehr Korrektur gelesen; Themen z.T. aufgrund ihrer zu erwartenden Resonanz beim Endkonsument publiziert.

Zur Bundestagung des Freien Deutschen Autorenverbandes 2016 in Thüringen stand eine Podiumsdiskussion auf der Agenda, in welcher auch über die Freiheit des Wortes gesprochen wurde – leider zu kurz für meinen Geschmack. Dieses Thema sollten wir als Autoren immer griffbereit haben, denn ein Merkmal unserer Gesellschaft heute ist, dass sie sich rasant verändern kann. Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht Tippfehler in journalistischen Beiträgen finden, seien sie in der Regenbogenpresse oder in den Qualitätsmedien. Wenn dafür keine Zeit bleibt – wie schlimm steht es dann mit unseren Medien?

Unvoreingenommen und ohne Emotion soll der Journalist schreiben. Mit dem nächsten Programmpunkt änderte sich der Kurs. Inge Beer gab einen kurzen Abriss zum Poetry-Slam, dem modernen Dichterwettstreit. Neben der Historie zeichnete sie auch den Ablauf und die Regeln auf. Damit jedoch nicht genug – für viele Anwesende war ein Poetry-Slam immer noch nichts Greifbares. Wie gut, dass es in Birkenwerder genau drei Slammer gab – und alle drei wollten an einem kleinen Poetry-Slam teilnehmen, extra für unsere Schar wissbegieriger Schreiberlinge. Neben mir waren das noch Oliver und Oli – ja, den Vornamen gibt es nördlich der Hauptstadt wohl öfter. Es wurde eine Jury gebildet, welche Punkte vergeben durfte und dann ging es los:

Oliver referierte am Anfang über Zahnärzte, welche sich aus dem Goldschürfergeschäft zurückgezogen hatten und dennoch das Bohren und Sprengen von Zahnstein nicht lassen konnten. Obwohl er ihnen perfide Geschäftspraktiken und Vetternwirtschaft mit der Zahnfee und den internationalen Banken nachsagte, war es eher erheiternd, seiner emotionalen Steigerung zuzuschauen. Ich hingegen klärte ruhig und besonnen über die evolutorischen Vorteile von Faultieren gegenüber Menschen auf, beklagte, dass mein schwarzer Daumen nicht bei meiner Bohnenranke im Garten funktionierte und versprach, morgen meine Unterhose auf links zu tragen. Ganz anders Oli, welcher dem Publikum alles abverlangte: Klatschen, staunen, Schreie des Entsetzens: Während andere Leute sich beim Slam berieseln lassen, zog er die Zuhörerschaft mit in seine Kindheitserinnerung: Der tollkühne Sprung aus zehn Meter Höhe ins Schwimmbecken … und die daraus resultierenden nackt-nüchternen Tatsachen. Obwohl das Publikum beim letzten Text Feuer und Flamme war, konnte sich Olivers Zahnarzt-Komplott am Ende durchsetzen. Die Neulinge, der Slammer und sein Publikum, hatten gewonnen – und natürlich die Kunst, nicht zu vergessen. Herzlichen Glückwunsch!

Ein Opfer des Faceshifters. Foto: K. Mischke
Ein Opfer des Faceshifters. Foto: K. Mischke

Echauffiert hatten sich die drei Slammer genug – jetzt ging es zum Abendessen. Danach folgte eine Führung durch das Hotel; allerdings in ungewohnter Manier: Wir betrachteten die Umsetzung einer Kurzgeschichte von Patricia Stunk: Auf der Suche nach seiner Schwester stieg unser Protagonist im Hotel ab. Zusammen mit seiner Tischbekanntschaft untersuchte er das Verschwinden von Gästen. Letztlich fanden nicht nur die Akteure, sondern auch wir, eine Leiche und der Übeltäter, ein Faceshifter, ein Gestaltwandler, jagte uns mehrfach einen Schrecken ein. Hut ab vor der schauspielerischen Leistung und dem Einsatz. Nach dem Blutverlust galt es, den Abend in feuchtfröhlicher Gesellschaft ausklingen zu lassen.


02.04.2017

Exposition, Höhepunkt, Schluss – so wird die Dreiakt-Struktur beschrieben. Etwas tiefer gehend gestaltete sich am nächsten Morgen der Vortrag über Dramaturgie von Olaf Wielk. Strukturen im Roman sind keine Dogmen, aber sie haben sich in vielen Fällen bewährt. In einer Übung zeigte er uns einerseits die klassische Heldenreise, andererseits die dramaturgische Struktur und die Reaktion der Leser. So wichtig die Struktur ist, so elementar sind die vermittelten Gefühle. Wahre Worte - und was wäre die Struktur, wenn nachfolgend, zum Abschluss des Kongresses, der Vorstand des FDA LV Berlin die Gäste nicht verabschieden würde?

Der inoffizielle Teil ist manchmal der wichtigste. Foto: J. T. A. Wegberg
Der inoffizielle Teil ist manchmal der wichtigste. Foto: J. T. A. Wegberg

Gefühle sind der rote Faden, der sich rückblickend durch den Autorenkongress zog. Die Wichtigkeit ihrer Präsenz bzw. ihrer Abwesenheit wurde uns immer wieder in den verschiedenen Disziplinen des geschriebenen und gesprochenen Wortes vorgeführt. Es sind aber nicht nur die fiktiven Gemütsveränderungen unserer Figuren, die ich hier anklingen lassen möchte – es sind auch die aus der realen Welt. Der Kongress stand unter einer freundlichen und geselligen Atmosphäre; man fühlte sich heimisch, lachte und scherzte und konnte die Zeit genießen. Ich empfehle allen mit dem Wort verbundenen Leuten, egal ob Mitglied oder nicht, sich die nächste Veranstaltung nicht entgehen zu lassen. Sie wird wenigstens genauso gut, wenn nicht sogar besser – und damit großartig.

 

Das habe ich im Gefühl. ;-)

Matthias Albrecht, Mitglied im Landesverband Sachsen, hat ebenso einen Bericht verfasst. Dieser ist auf der Seite des Landesverbandes Sachsen einzusehen, hier.

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Lucian Blaga: Die Fähre des Popen Charon

[…] „Das Mehl war warm, leicht erhitzt, wie ein lebendiger Körper, sowohl angenehm als auch archaisch der Duft.“ […] <<Noah ist Müller geworden!>>

Lucian Blaga (1895 - 1961), rumänischer Dichter, Schriftsteller, Diplomat und Philosoph, schildert in seinem erst 1990 bei Humanitas Bukarest erschienenen Roman liebevoll und detailreich Episoden aus dem Leben seiner Mitmenschen. Der Titel der deutschen Übersetzung „Die Fähre des Popen Charon“ ist dabei klug gewählt: Er symbolisiert das Grundmotiv des Romans, den Wechsel und Wandel, die Überfahrt von einer Zeitepoche zur anderen und die Veränderung der Persönlichkeit, initiiert durch gewaltsame, äußere Einflüsse.

Blaga spielt seinem fiktiven Erzähler Axente Creangă tatsächlich die Rolle des biblischen Noah zu: Im Verlauf der Nachkriegsjahre trifft Axente seine Landsleute, beleuchtet ihre Rolle und ihr Schicksal in der neuen Welt der kommunistischen Volksrepublik. Er, der patriotische Poet, bezeugt in zahlreichen Berichten und Naturbeschreibungen den Niedergang seines Vaterlandes und belegt den Umbruch der Historie am Versiegen der eigenen Quelle künstlerischen Schaffens. Als Ausweg aus dem Chaos äußerlicher wie innerlicher Veränderungen sieht Axente nur die Möglichkeit auszuharren und sich auf moralische Werte und Traditionen zu berufen, damit eine Flucht in die Zeit des Gestern gelingen kann, aus welcher die Gegenwart zu altem Glanz erneuert werden soll.

Zur Seite stehen dem Erzähler sein geistiger Zwilling Leonte und seine lyrische Muse Ana. Während Blaga die eigenen philosophischen Ansichten und Diskurse der Figur Leonte in den Mund legt, schafft er mit Ana ein Symbol der geheimen, ursprünglich mystischen Natur, der unerreichbaren Versuchung. Durch dieses Dreigespann - Axente, Leonte, Ana - ; offeriert Blaga den Lesern rumänische Traditionen, ihre Kunst und ihr Denken. Diese drei Personen erkennen, bewahren, veredeln sie und erheben sie auf eine Stufe bar jeder Nationalität: Die Liebe und das Leben sind unsagbare Geschenke.

 „Die Fähre des Popen Charon“ ist eine zeitlich geordnete, kausal stimmige, allerdings nur lose Aneinanderreihung von Reminiszenzen. Die Prosasprache Blagas ist nuancenreich und bildhaft, dabei jedoch klar. Poetische Einschübe wie „die seelische Frucht an der Spitze der Wimper“ werden nur selten gebraucht. Der anfangs zitierte Auszug dieser Rezension stammt aus einer Szene, die in ihrer Schlichtheit so akzentuiert beschrieben ist, dass sie den Lesern bis zum Ende des Buches im Gedächtnis bleiben wird. Durch die strikte Einflechtung rumänischer Anreden und Ortsbezeichnungen in den übersetzten Text entwickelt sich beim Lesen eine Art Vertrautheit. Die Grammatik wirkt in den Einschüben und Gerundia anfangs etwas holprig – aber auch hier wird das Exotische bald zu einem versöhnlich-fremden Ton gewandelt. Dank des Übersetzers der deutschen Ausgabe, Friedrich Engelbert, verfehlen selbst Wortspiele nicht ihre schelmische Wirkung und ermöglichen eine Differenzierung der Charaktere auf einer zusätzlichen Verständnisebene.

Der Symbolgehalt des Romans ist enorm. Die titelgebende Fähre selbst zerteilt das Buch in drei Abschnitte. Ähnlich einer Überfahrt startet Axente in den ersten sechs Kapiteln des Buches, reist durch das Land, berichtet ausführlich über die vergangenen Tage, sucht seinen Platz in der Gesellschaft, verteidigt seine Integrität. Der Leser sieht den alten Glanz der Persönlichkeit Axentes bröckeln, verursacht durch die historische Umwälzung, durch Ungewissheit, Flucht, der Ohnmacht des Individuums in der gesellschaftlichen Welt. Während Axente mit seiner Familie und seinen Freunden ihren Platz suchen und den neuen Spielregeln der sich ihnen entziehenden Mächte ausgesetzt sind, wächst im Erzähler die Sehnsucht nach den vergangenen Tagen.

Mit dem Erscheinen der Fähre, des Popen und seiner Frau, wandelt sich der bisherige Erzählstil Blagas. In den folgenden Kapiteln wird deutlich mehr wörtliche Rede verwendet; die Berichtsform tritt in den Hintergrund, den Ereignissen folgen schlagartig Konsequenzen. Die Fährfahrt ist eine Bewegung, ein Übersetzen an das andere Ufer, ein notwendiger Schritt auf dem Weg Axentes. Haben die ersten Kapitel des Romans hauptsächlich das Leben gezeigt, tritt hier das Motiv der Liebe verstärkt auf und zieht Tragödien mit sich. Die Frau des Fährmanns, Octavia, bildet den Gegenpol zu Ana ab. Axentes Beziehung zu ihr stellt den Versuch dar, die Suche nach dem Gestern aufzugeben und sich der Moderne anzupassen.

Mit Vollendung des zwölften Kapitels verlässt Axente die Fähre, um an das neue Ufer zu treten. Wieder ändern sich Thematik und Inhalt; die Waage zwischen Dialog und Bericht wird gehalten, die Liebe selbst wird zentrales Motiv der nachfolgenden Kapitel. Sie ist dem Leben überlegen, welches nach und nach aus der Welt Axentes scheidet, da er sich in sein eigenes Reich zurückzieht, zurück in die Vergangenheit und zurück zu seinen alten Sehnsüchten.

Beeindruckend ist die Fülle an Details, mit der Blaga die Erzählungen und Episoden seiner Hauptfiguren ausschmückt. Manchmal scheinen sie den Leser auch unter ihrem Gewicht zu erdrücken. Jedoch generiert sich auf diese Weise ein lebendiges, engmaschiges Netz an Eindrücken, welche ein versöhnliches Ende für die Reise Axentes und seiner metaphyischen Gralssuche, knüpfen. Der Übersetzer der deutschen Ausgabe, Friedrich Engelbert, hat dem Roman im Anhang Gedichte und Briefe zwischen Axente und Ana sowie elf Essasys Leontes (also aus der Feder Blagas stammend) angefügt. Diese Anhänge im Buch unterzubringen, hätte das Werk überfrachtet – jedoch ist der Einblick in die philosophische Niederschriften Blagas äußerst interessant. Seine wissenschaftliche Artikulation steht zwar in der Wahl der Wörter im krassen Gegensatz zu seinem Prosawerk, jedoch sind beide Dokumente ein historisch wertvolles, emotional ansprechendes und philosophisch anspruchsvolles Vermächtnis einer Epoche, deren Charme die tiefe Liebe und Verbundenheit mit der Natur ausmacht, mit der rumänischen Tradition und den Details, welche einen zufälligen Moment des Lebens plötzlich erinnerungswürdig machen können.

„Die Fähre des Popen Charon“

Roman von Lucian Blaga

in deutscher Übersetzung von Friedrich Engelbert, © beim Übersetzer.

ISBN 978374-126-5396, 532 S.

BoD Norderstedt, 2016


Rezension von Oliver Guntner, Februar 2017

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Schreibwettbewerb für junge Erwachsene 2017

Respekt, Toleranz und Güte

Schreibwettbewerb des FDA LV Berlin e.V. unter

der Schirmherrschaft des deutschen Odd Fellow-Ordens

Teilnehmer im Alter von 16 bis 28 Jahren (zum Zeitpunkt der Einsendung) können bis zum 30. April 2017 jeweils einen unveröffentlichten Prosatext einreichen. Eine Jury aus Schriftstellern und Literaturschaffenden bewertet die Texte nach ihrer literarischen Qualität und der Bezugnahme auf das vorgegebene Thema.

 

1. Preis: 400 Euro + Reise nach Berlin  

2. Preis: 200 Euro  

3. Preis: 100 Euro

 

Außerdem werden die fünfzehn besten Beiträge in einer Anthologie veröffentlicht. Für jeden darin abgedruckten Beitrag erhält der/die Autor/in ein Freiexemplar. Die Preisverleihung findet im Frühjahr 2018 im Logenhaus Berlin statt. Anreise und Übernachtung für den/die Preisträger/in werden übernommen.

 

Anforderungen:

  • 7.000 bis 27.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) im docFormat,
  • Schrifttyp Arial, 12 Punkt, 1,5-zeilig,
  • Flattersatz, ohne zusätzliche Formatierungen

 

Bitte sendet euren mit Namen, Anschrift und Alter versehenen Beitrag unter dem  Betreff „Odd Fellows“ an: jungeautoren@fda-berlin.de

Weitere Informationen unter www.jugendschreibt.net

 

Alle Informationen zum Download sind hier als pdf zusammengefasst:

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Ausschreibung Schreibwettbewerb 2017
Infos zum Wettbewerb
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Sommerlesung 2016 / Parkbühne Ebersdorf

Guntner und Ritze sorgen für Angst und Schrecken
Guntner und Ritze sorgen für Angst und Schrecken

Sommerlesung/ Parkbühne Ebersdorf b. Lobenstein

unter anderem mit

  • Oliver Gunter
  • Georg Steiger
  • Hansjörg Rothe
  • Tanja Kahmann/ Bad Lobenstein/ Preisträgerin Mitteldeutsche Buchmesse

Mit Unterstützung der Kreissparkasse Saale-Orla

Bei schlechtem Wetter in der Schule am Park

27. 08. 2016

ab 14 Uhr

Moderation: Ronny Ritze

Eintritt frei

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Offene Lesebühne in Ebersdorf b. Lobenstein

Arbeitstreffen am 27. August 2016 auf der Parkbühne Ebersdorf

 

Schriftsteller, Hobbyautoren, Schreibfreudige und Literaturbegeisterte

 der Region Saale Orla Kreis

 haben am 27.08.2016

 im Rahmen des Arbeitstreffens

 des Freien Deutschen Autorenverbandes (FDA)

 die Möglichkeit ihre literarischen Arbeiten

 ob veröffentlicht oder unveröffentlicht

 auf der

 Parkbühne in Ebersdorf

 den Mitgliedern des FDA und dem Publikum vorzustellen.

 Jeder Teilnehmer  hat

 10 – 30 Minuten Lesezeit

 

 Beginn der offenen Lesebühne ist

 14.30 Uhr

 Der Eintritt ist frei

 Kontaktmail für Anmeldungen

 textinsel@gmx.de

 Anmeldungen sind bis zum 22.08.2016 möglich

 Wir freuen uns, Sie am 27.08.2016 ab 14.00 Uhr in unserer Runde begrüßen zu dürfen.

 Die Mitglieder des FDA Thüringen 

Außerdem live: Oliver Guntner & Ronny Ritze

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Weitere Impressionen aus Liebenstein, ein humoristischer Ausblick

Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich angekündigt. Um Traditionen und original Thüringer Lebensart vorzustellen, hat der Thüringer Landesverband keine Kosten und Mühen gescheut. Das erwartet die Teilnehmer der Bundestagung 2016 im thüringischen Liebenstein. By R.R.

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Bundesarbeitstagung 2016

Luther 2.0 - Literarische Impulse von der Weimarer Klassik bis heute

Auszüge aus dem Programm

Organisatorische Hinweise

  • Notfallnummern: 01782124305 (Hansjörg Rothe); 015150722811 (Oliver Guntner)
  • Anschrift des Hotels: Hotel am Gisslgrund, Ohrdrufer Str. 9, 99330 Frankenhain; Telefon: 036205 7430
  • Anschrift der Pension: Alte Lache, Alte Lache 1, 99330 Gräfenroda, Telefon: 036205 71876
  • Adresse des Tagungsortes: Röderschlösschen, 99330, Liebenstein
Das Röderschlößchen
Das Röderschlößchen

Freitag, 14.10.2016:

  • Anreise zum Hotel

    14:00 – 17:00 Tagung der Landesvorsitzenden

  • 17:00 Sektempfang mit Besichtigung der Tagungsräume im Röderschlösschen

  • 17:30 Begrüßung durch Hansjörg Rothe (Vorsitzender des LV Thüringen), Grußworte des amtierenden Bürgermeisters Jörg Becker, Ansprache des FDA-Präsidenten Uwe Kullnick

  •  18:00 Themenvortrag: Weimar und die Weimarer Republik/ Fakten für den angehenden Thüringenversteher (Hansjörg Rothe, LV Thüringen)

  • 18:30 Autoren- und Buchvorstellungen
  • 19:30 Abendessen in der Gerichtslaube
  • gemütliche Runde im Saal des Hotels bei Thüringer Wein und Bier
Burgruine Liebenstein
Burgruine Liebenstein

Samstag, 15.10.2016

  • ab 7:00  Frühstück im Hotel
  • 10:00  Festvortrag: Post-Ost-Moderne - das revidierte Verhältnis ostdeutscher Autoren zur literarischen Moderne nach 1989 (Dr. Stephan Pabst, Germanist an der Friedrich-Schiller-Universität Jena)
  • 10:45 Werkstattgespräch: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Literarische Impulse eines Luther-Zitates von Schillers "Demetrius" über Volker Braus "Dmitri" bis heute (Hansjörg Rothe, LV Thüringen)
Mirijam Seifert
Mirijam Seifert
  • 11:30 Workshop-Phase I
  • 13:00  Mittagessen; anschließend besteht die Möglichkeit, sich einer Führung durchs Heimatkunde-Museum im Schlösschen anzuschließen; den Tagungsort Liebenstein zu erkunden oder eine Mittagsruhe einzulegen
  • 15:00 Workshop-Phase II
  • 16:30 Kaffeepause
  • 17:00 Konzert von und mit Mirjam Seifert (Harfe und Flöte) im Trauzimmer des Schlösschens
  • 19:00 öffentliche szenische Lesung aus Goethes Flüchtlings-Versepos "Hermann und Dorothea" im Rokokosaal des Schlösschens
  • 20:30 Abendessen im Hotel Gisselgrund
  • ab 21:30 im Hotel-Saal: Quizrunde zu historischen Persönlichkeiten der Reformation; Gewinner dürfen aus ihren eigenen Werken lesen

Sonntag, 16.10.2016

  • ab 7:00 Frühstück vom Buffet
  • 11:00 Podiumsdiskussion: "Darf ich schreiben, was ich will? - Die Freiheit des Wortes in der Literatur heute." Nach einer kurzen Einstimmung zum Thema Luther heute ("Hier stehe ich" - Thomas Berger, Kelkheim) diskutieren die Teilnehmer mit Vertretern aus Politik, Verlagswesen, Presse und Verbänden. Moderation: Ronny Ritze, LV Thüringen
  • Schlusswort des Präsidenten und Verabschiedung durch die Gastgeber

Workshop I

Dietmar Schulze
Dietmar Schulze

Versteht die nächste Generation noch die Klassiker? - Praktische Erfahrungen der museumspädagogischen Arbeit im Schillerhaus Leipzig - Gohlis, vorgestellt von Dietmar Schulze.

 

Es werden Beispiele und Anregungen zur Vermittlungsarbeit der Literatur des 18. Jahrhunderts, insbesondere der Werke Friedrich Schillers, an Kinder und Jugendliche aufgezeigt.

 

Dauer: ca. 45 min

Workshop II

Volker Strübing
Volker Strübing

Ist das Poesie oder kann das weg? Poetry Slam für Erwachsene!

 

Die Teilnehmer setzen sich unter der Leitung des sympathischen Thüringer Poeten und Wahlberliners Volker Strübing (Jahrgang 1971) mit der modernsten Form der Poesie auseinander und werden nebenbei auf beste Weise unterhalten.

 

Dauer: ca. 90 min


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Anfahrtskizze
Anfahrtskizze Tagung Thüringen 2016.jpg
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Anmeldeformular Arbeitstagung
Anmeldung zur Arbeitstagung des FDA 2016
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Programm - aktualisiert am 14.10.2016
Eine Zusammenfassung des aktuellen Tagungsablaufes.
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Rückblick - Die Leipziger Buchmesse 2016 für den FDA LV Thüringen

Erspäht: Veröffentlichungen unserer Mitglieder zwischen den Werken anderer Landesverbände
Erspäht: Veröffentlichungen unserer Mitglieder zwischen den Werken anderer Landesverbände

Vom 17.03.2016 bis 20.03.2016 waren unsere Autoren auf dem Leipziger Messegelände unterwegs, um den Verein zu präsentieren, neue Brücken zu anderen Organisationen zu schlagen und – mit einem Schuss gesundem Egoismus – sich weiterzubilden und sich unterhalten zu lassen. Berührungsängste zwischen den Mitgliedern und den unterschiedlichen Akteuren der Leipziger Buchmesse gibt’s nie – im Gegenteil: Unsere Autorinnen und Autoren fanden sich nicht nur am Stand des FDA-Bundesverbandes und den Domänen der eigenen Verleger ein, sondern besuchten auch externe Lesungen im Rahmen von Leipzig liest, z.B. eine Veranstaltung des Bundesverbandes junger Autorinnen und Autoren.

Lehrreiche Vorträge rund ums E-Book und dessen Vermarktung füllten ebenso den Stundenplan wie Kniffe und Tricks von Radiomachern zur Sprecherziehung für die eigenen Lesungen. Zwischen einer Darbietung von Ian Doeschers „William Shakespear's Star Wars“, gelesen von Jochen Malmsheimer und einem Exkurs zur Kurzlyrik des japanischen Haikus durch Klaus-Dieter Wirth von der Deutschen Haiku-Gesellschaft, schlenderten wir auch durch die Ausstellungen der simultan zur Buchmesse stattfindenden Manga Convention. *puh* Was für n Satz! :)

Wir treffen Frankensteins Monster.
Wir treffen Frankensteins Monster.
Jochen Malmsheimer liest aus Ian Doeschers "William Shakespear's Star Wars"
Jochen Malmsheimer liest aus Ian Doeschers "William Shakespear's Star Wars"

Hier offenbarte sich, dass junge Manga- und Comiczeichner Unterstützung beim Entwurf ihrer Charaktere oder ihrer Handlungen wünschen. Ein Feld, in das unsere Mitglieder genug Expertise mitbringen könnten. Andererseits haben wir als Schreibende oft Bedarf an Zeichnungen und Illustrationen. Die Suche nach solchen Synergieeffekten wird von uns demnächst verstärkt verfolgt werden. In dieser Hinsicht werden wir zukünftig losen Kontakt z.B. zum Verein ArtMacoro pflegen, der eine Plattform bietet.


Über die Tage wurden diverse Interviews durch das Literaturradio Bayern durchgeführt, welche hier gehört werden können:

 

 

 

Interview mit Ronny Ritze über sein Buch "Schwer gezeichnet", die Arbeit einer Schreibwerkstatt im Jugendgefängnis und den Schwierigkeiten, Vertrauen und Respekt zu solchen Jugendlichen aufzubauen

Sind wir jetzt im Radio?
Sind wir jetzt im Radio?

 

 

 

Interview mit Hansjörg Rothe über den FDA LV Thüringen, die Tätigkeit als Vorsitzender, die neuen Strukturen, Ziele und Möglichkeiten des Landesverbandes und ein Blick auf Zukünftiges


In unseren Augen war die Leipziger Buchmesse ein erfolgreiches Ereignis, welches das Netzwerk und die Außenwirkung des LV Thüringens verbesserte. Gerne immer wieder! :)

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28.05.2016: Lesung im Schillerhaus, Leipzig

Kupferstich von Daniel Chodowiecki
Kupferstich von Daniel Chodowiecki

"Wahrlich, dem ist kein Herz im ehernen Busen, der jetzo Nicht die Not der Menschen, der  umgetriebnen, empfindet;"

 

Der FDA Thüringen lädt zusammen mit dem Schillerhaus Leipzig zu einer szenisch aufbereiteten Lesung aus Goethes "Hermann und Dorothea" ein. Die Lesung wird musikalisch begleitet, eine Diskussion zur aktuellen Flüchtlingsproblematik schließt sich ihr an.

 

Beginn der Veranstaltung:   19:00 Uhr

Dietmar Schulze und Ulrike Richter beim Proben
Dietmar Schulze und Ulrike Richter beim Proben

 Es lesen:

  • Dietmar Schulze (Schillerhaus Leipzig)
  • Elisabeth Savci (Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland e.V.)
  • Hansjörg Rothe (FDA Thüringen)
  • Oliver Guntner (FDA Thüringen)
  • Ulrike Richter (Robert Schumann-Haus Leipzig) 
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Im Kirchenkeller - Kindergeschichten

Angeregt zu diesen Geschichten von einem Freund, habe ich lange gezögert, sie aufzuschreiben.

Von Georg Steiger

Zu intim erschienen mir meine Erinnerungen. Doch je mehr ich mich in meine Kindheit versenkte, desto mehr Erinnerungen quollen hervor. Lustige und weniger lustige Begebenheiten modellierten plötzlich eine Kindheit, die - trotz ihrer Ansiedlung in einem Pfarrhaus auch durch ihr sozialistisches Umfeld geprägt wurde - möglicherweise im Westen Deutschlands in vieler Hinsicht kaum anders verlaufen wäre. Es war, trotz an allen Ecken spürbarer Armut meiner Eltern, eine schöne und erfüllte Kindheit. Dass unsere Pfarrer-Familie stets in Opposition zu den Machthabern in der DDR stand, war mir schon früh bewusst. Doch wirklich benachteiligt wurde ich in dieser Zeit in schulischen Dingen nicht, im Gegensatz zu meinen älteren Brüdern.

 

Die Geschichten zeichnen einzelne Stationen einer meist fröhlichen Kindheit im kleinen Landstädtchen Gebesee bis etwa 1963. Meine kleinen Streiche, Unternehmungen und Erfolge haben mich ganz sicher auch zu dem werden lassen, der ich nun bin.

 

 

Schwer gezeichnet - Jugend hinter Gittern

Unser Mitglied Ronny Ritze im Knast!

Ronny Ritze (Hg.): Schwer gezeichnet - Jugend hinter Gittern. Garamond-Verlag Jena 2015, 94 S., 14,90 Euro
Ronny Ritze (Hg.): Schwer gezeichnet - Jugend hinter Gittern. Garamond-Verlag Jena 2015, 94 S., 14,90 Euro

Diese Anthologie vereint Texte aus der Thüringer Jugendstrafanstalt Arnstadt. Jugendliche zwischen fünfzehn und achtundzwanzig Jahren verbüßen hier Haftstrafen bis zu zehn Jahren. In einer Schreibwerkstatt unter der Leitung des Autors Ronny Ritze entstanden Einblicke in die Lebenswelten vor und nach den Inhaftierungen. Zudem geben Interviews Aufschluss über den Umgang mit jugendlichen Straftätern. Geballte Kraft in kurzen Sätzen. Komprimierte Lebensgeschichten eindrucksvoll dargestellt mit überraschenden Ergebnissen.

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Die Jungfrau von Orleans und die Stimme des Volkes - Lesung im Schillerhaus Leipzig

Rückblick auf eine Veranstaltung mit Daniela Krien

(v.l.n.r.) Uwe Lammla, Kerstin Klare, Hansjörg Rothe, Viola Grandke, Dietmar Schulze, Daniela Krien, Gregor Miklis
(v.l.n.r.) Uwe Lammla, Kerstin Klare, Hansjörg Rothe, Viola Grandke, Dietmar Schulze, Daniela Krien, Gregor Miklis

"Die Jungfrau von Orleans und die Stimme des Volkes" lautete ebenso das Motto des Schreibwettbewerbes, der in unserer Lesung das Jubiläum des Mauerfalls begleitete. Ein passendes Thema, lässt Schiller doch eine Stimme aus dem Baum der Jungfrau die treibende Kraft ihres Handelns in den Mund legen. Dieser Bezug wird ebenso im Alten Testament anhand des brennenden Dornenbusches ("Ich bin der ich bin") wie in der Stimme des Volkes wiedergegeben, die da 1989 sprach: "Wir sind das Volk."

Unter den Einsendungen des Schreibwettbewerbs hatte sich das lyrische Werk "Die Burg" qualifiziert. Der Autor "MyAndI" (aus Rücksicht auf die Privatsphäre veröffentlichen wir keinen Klarnamen) veröffentlicht dieses und andere Werke auf seiner Webseite Junge Worte.

 

 

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Alles wird gut - satirische Oden an den Rausch

Zu Ehren unseres verstorbenen Kollegen Dieter Wolf

Im August 2013 ging unser geschätzter Freund und Kollege, Schriftsteller, Schwerenöter und Frauenversteher, Haudegen und Geschichtenerzähler, Pfarrer Dieter Wolf von uns. Um ihm posthum zum Welterfolg zu verhelfen, ehren wir ihn mit einem Schnaps und einem Best of Dieter Wolf.

Oliver Guntner (28‰), 2. Vorsitzender des FDA Thüringen und diplomierter Chemiker, bringt ausgegorene Texte zur Verkostung mit. Ronny Ritze (35‰), Journalist und trockener Optimist, rundet den Abend mit einem Gläschen Selbstgebrauten ab.

„In seinen Büchern und Predigten erwies er sich als sprachlich brillant.“
Thüringer Allgemeine

 

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