Ein Video-Beitrag zur FDA-Bundestagung 2016 in

Liebenstein, Gastgeber war der FDA LV Thüringen.

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Neuigkeiten

Der FDA auf der Leipziger Buchmesse 2019

alljährliche Veranstaltung im Mendelsohn-Haus

 

 

2019 wird der Film "Das schweigende Klassenzimmer" nach dem gleichnamigen Roman unseres verstorbenen Kollegen Dietrich Garstka aufgeführt. Der Inhalt beruht auf wahren Begebenheiten. Die Schauspielerin Katrin Schinköth-Haase liest dazu Passagen aus dem Roman; abschließend ist eine Diskussionsrunde geplant.

 

Zum Inhalt:

DDR Nov. 1956. Eine Abiturklasse reagiert auf die Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes mit einer Schweigeminute. Die Rädelsführer werden von der Staatssicherheit gesucht, aber nicht gefunden. Gegen alle Drohungen und Erpressungen halten Schüler und Eltern zusammen. Schließlich fliehen die Gymnasiasten geschlossen nach West-Berlin.

 

Beginn: 23.03.2019 um 19 Uhr im Mendelssohn-Haus,

Goldschmidtstrasse 12, 04103 Leipzig, statt.

 

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2. Fachtag Literatur in Thüringen

Ende Oktober 2018 fand im Gebäude des Erfurter Landtages ein 2. Fachtag Literatur statt, organisiert vom Thüringer Literaturrat e. V. und der Thüringer Staatskanzlei. Einmal im Verteiler vertreten, bekam auch ich eine Einladung, der ich gern nachkam, hatte mir die erste Auflage doch gut gefallen. Christoph Schmitz-Scholemann als Vorsitzender des Literaturrates begrüßte die erneut zahlreich erschienenen Gäste im Spannungsfeld von Literaturerstellung und –verkauf. Die derzeitige Digitalisierung führe zu einem nie dagewesenen Sprachumbruch.

 

Frau Eckert von der Thüringer Staatskanzlei zählte etwa 400 Autoren, über 100 Bibliotheken und ca. 30 Verlagsbetriebe. Vor 4 Jahren sind noch 4 Millionen Bibliotheksnutzer gezählt worden. Zurzeit seien es noch 2,7 Millionen pro Jahr. Als Positivum verwies sie auf die Vergabe eines Thüringer Literaturstipendiums ab 2019 durch die Kulturstiftung Thüringen.

 

Christian Müller von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sprach über heutige Literaturvermittlung. Das analoge Buch sei nicht tot, doch in Koexistenz mit digitalen Inhalten. Der Literaturunterricht an Schulen sei im Umbruch. Audiovisuelle und digitale Medienpublikationen sind Ergebnis eines medialen Wandels als der Literatur nahe Werke. Verweis auf online-Autorenlesungen auf „zehnseiten.de“,  Literatur- und Buchblogs mit Rezensionen bei Fischer – „Hundertvierzehn“, auch Suhrkamp – „Logbuch Suhrkamp“ oder auch auf „Melody of books“ bei Youtube.

 

Am interessantesten fand ich aber Frau Annaluise Erler, eine Buchhändlerin, die im 1.500 Einwohner zählenden Ort Tharandt in Sachsen die Buchhandlung Findus betreibt. Mit allen Ortsteilen sind es etwas über 5.000 Einwohner. Den Titel „Beste Buchhandlung 2017“ hat sie sich verdient!  Mit zwei Aushilfskräften schafft sie auf verschiedenste Weise Bindungen zu ihrer Buchhandlung und damit zu Literatur. Sie geht in die Kindergärten, zur Grundschule und ins evangelische Gymnasium, sie liest selbst aber auch begabte Schüler dürfen lesen, lässt 4. Klassen in der Buchhandlung übernachten, ohne sie, mit zwei Lehrern – das sei sehr nachhaltig, die maximal 10 Mitglieder eines Literaturclubs der 5. und 6. Klassen dürfen bei ihr je drei Bücher mit nach Hause nehmen, die später „seziert“ werden. Selbstverfasste Texte über die Lieblingsbücher werden zur Schaufensterdekoration benutzt. Sie lässt Praktikanten bei sich arbeiten und an einem Tag im April Schüler den ganzen Buchladen managen. Natürlich gibt es Autorenlesungen, aber auch die „Wein-Lese-Zeit“ mit einem befreundeten Winzer aus Österreich, man kann ihren Laden für einen Abend mieten (max. 30 Personen), man kann bei ihr eine monatliche Schmöker-Schatulle abonnieren, deren Bücher sie aussucht. All das zur Kundenbindung nach der Devise: Wer mit Büchern lebt, schafft Lust aufs Lesen!

 

Prof. Dr. Harald Welzer von der Europa-Universität Flensburg erdete im Anschluss den Hype um die Digitalisierung: Das Leben ist analog – die Digitalisierung ist mit zahlreichen analogen Vorgängen unterfüttert – die Digitalisierung ist anachronistisch, da sie den analogen Verbrauch befeuert, sie ist nicht nachhaltig. Jede moderne App fungiert neben ihrem Inhalt als Entmündigungsapparat. Wir werden ständig unselbstständiger, das Maß der Selbststeuerung wird verringert. Wer braucht selbstfahrende Autos oder die Besiedelung fremder Planeten? Das seien Jungs-Phantasien! Zu beobachten sei eine narrative Verflachung. Utopie sei die komplett gesteuerte Welt, in der nichts mehr passiere. Die „smarte“ Welt sei eine ohne Erfahrnisse. Diese Kultur entspricht nicht der Aufklärung, der Schaffung des selbstbestimmten Menschen. In einer durchgehend digitalisierten Welt kann nichts mehr passieren, da es keine -sonst in getrennten Räumen passierende- Erfahrnisse mehr gebe. Durch die neue Kommunikationstechnik findet kaum noch echter Austausch statt. Jeder befinde sich in einer Filterblase seiner Empfindungen. Die Menschen reden nicht mehr direkt miteinander, sondern lediglich über die Medien: Wo kann ich mich am meisten aufregen und mit anderen Erregten darüber austauschen? Das ist eine Strategie der Verfremdung. Die Welt wird nicht komplexer, sie wird ständig einfacher. Ein Diskurs über die Zukunft finde nicht statt. Ob eine Technologie gut ist, entscheide ihr Gebrauch. Die Subjektivität sei jedoch noch nicht tot, sie ist gefährdet.

 

Dr. Guido Naschert – Kurator des internationalen Poetryfilm-Festivals Weimar referierte über neue Wege der Literaturvermittlung: Poesie-Filme, Gedichtverfilmungen, Poetry-Filme mit zwei interessanten Beispielen.

 

Prof. Dr. Gerhard Pfennig von der Gutenberg-Universität Mainz sprach zu Urheber- und Nutzungsrecht im digitalen Kontext. Der Rechtsrahmen stimme nicht mehr. Der Ausgleich zwischen Urheber, Verleger, Nutzer und großen digitalen Plattformen (die das Geld verdienen) muss verbessert werden. Gesetz EU-Harmonisierung 1 ist in Entstehung. Das Gesetz EU-Harmonisierung 2 soll den Durchbruch bringen: Wissenschaft und Lehre, Data Mining, Presseverlegerleistungsschutzrecht, Verlegerbeteiligung, Plattformverantwortlichkeit, Urhebervertragsrecht. In Deutschland gebe es ein gutes Urhebervertragsrecht. Wichtig sei das Durchsetzen der Plattformverantwortlichkeit.

 

Die anschließende Podiumsdiskussion „Vermittlungkonzepte“ brachte indes keine neuen Erkenntnisse, eher eine Zusammenfassung des zuvor Gehörten.

 

Zusammenfassend: Ein großes Lob den Organisatoren vom Thüringer Literaturrat! Es gab interessante Beiträge und Menschen, die Verpflegung stimmte und ich durfte trotz fehlerhafter Geburtstagsangabe in meiner Anmeldung trotzdem teilnehmen.

 

Georg Steiger

 

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Respekt, Toleranz, Güte - Ein Rückblick auf den Schreibwettbewerb

Das Buch mit den Siegergeschichten liegt vor uns. Die Veranstalter haben die letzten Flaschen Wein zurück in die Autos geladen. Preisgelder haben ihre neuen Eigentümer gefunden. Eigentlich ist die Sache doch abgeschlossen, oder? Wettbewerb ausgerichtet; Erfolg gehabt; Haken dahinter und weiter im Programm.

Nun, nicht ganz. Ich glaube, der betriebene Aufwand und das profunde Ergebnis rechtfertigen eine solche Abspeisung nicht. Besonders nicht in Hinblick auf das Titelthema. Ich bin immer für Schreibwettbewerbe zu haben, und mit dem Freien Deutschen Autorenverband Berlin e.V., hatte der Deutsche Odd Fellow-Orden auch einen auf diesem Gebiet versierten Partner gefunden. Diese Professionalität war ein Grund, warum ich meinen Platz im Jury-Team einnahm. Ebenso mein Wunsch, meinen Anteil an dem zweiten Schreibwettbewerb zu leisten, denn 2013 war bereits einer ins Leben gerufen worden unter dem Titel „Freundschaft, Liebe, Wahrheit“.

Die Anthologie „Respekt, Toleranz und Güte“ wurde in erster Linie durch die Mitglieder von 14 Odd Fellow-Logen vorfinanziert – einer der ersten und wichtigsten Schritte jedes Projektes. Die Anthologie liegt uns zwar vor, aber die versteckten Kosten und die Organisationsarbeiten im Vorfeld bleiben meist unsichtbar. So wurden allein im Rhein-Main-Gebiet ca. 60 Briefe und Plakate mit Aufforderungen zur Teilnahme an dem Wettbewerb verteilt; im Netz wurden zahlreiche Hinweise auf mehreren Webseiten geschaltet, und auf speziellen Autorenseiten wurde auf den Wettbewerb hingewiesen. Somit drangen die Aufrufe auch in unsere Nachbarländer.

Bevor die ersten Einsendungen eintreffen, sieht man als Jury-Mitglied einem Wettbewerb gelassen entgegen.  Mit den Einsendungen allerdings steht dann, trotz der vorliegenden Bewertungskriterien, auch die Frage im Raum: Was ist gute Literatur? Inwieweit finden sich mein subjektiver Geschmack, meine Vorstellungen und Erfahrungen und mein Verständnis im Rezipienten wieder? Ich glaube, nur wer selbst Literatur produziert, kann sie auch beurteilen. Da das Erschaffen aber ein wandelbarer Prozess ist, muss auch der Diskurs über die Werke flexibel sein. Die Erfahrungen, die ich später beim Austausch mit den anderen Jury-Mitgliedern machte, verdeutlichten mir meine These. Es war einerseits erschreckend, andererseits erstaunlich, inwieweit unsere Perspektiven in Detailfragen auseinander gehen konnten – und dennoch glaube ich, haben wir eine unabhängige und repräsentative Qualitätsauswahl treffen können.

Die Preisverleihung und die öffentliche Lesung stellten den Höhepunkt des Projektes dar; unterstreicht sie nicht nur die Würdigung der mitwirkenden Künstler, sondern macht das angesprochene Thema öffentlichkeitswirksam. Am 28.04.2018 lud der Deutsche Odd Fellow-Orden nach Berlin ein. Die Texte der drei ersten Preisträger wurden dem Publikum in einer lockeren Runde präsentiert – und auf dieses Geschehen möchte ich nachfolgend vertieft eingehen.

 

David Sumerer (rechts) herhält das Preisgeld. Foto: Jens Warmers
David Sumerer (rechts) herhält das Preisgeld. Foto: Jens Warmers

Sascha Hohner und Inge Beer moderierten die Veranstaltung im Ordenshaus der Concordia-Loge in Berlin. Den Gästen wurde ein kurzer Ablauf über den Verlauf des Wettbewerbs gegeben, und sie lernten den ersten sowie den zweiten Preisträger persönlich kennen.  Die Geschichte der dritten Preisträgerin, der aus Österreich stammenden Annabella Gmeiner, wurde von Inge Beer vorgelesen.  In ihrer Erzählung „Liftgefühl“ werden unterschiedliche Charaktere durch äußere Einflüsse gezwungen, auf engsten Raum auszuharren. Durch fehlende Privatsphäre muss man lernen, mit den Blicken der anderen umzugehen, auch wenn diese – häufig   unabsichtlich – unter die Oberfläche und tief ins Herz gehen können.

Der zweite Preisträger, David Sumerauer, bereits seit früher Kindheit ein „Globetrotter“, schildert uns mit seinem Text „Warten in Casablanca“ ungemein komplexe, emotionale Momentaufnahmen eines Reisenden bei Gesprächen mit einem Einheimischen. Die Details sind stilistisch so hervorragend ausgearbeitet, dass sie das Auditorium imaginär an den Schauplatz der Handlung versetzen können. Einmal im Bahn der Geschichte gefangen, entwickelt der Autor dann die eigentliche Handlung, welche zwar stereotypisch verläuft, jedoch im krassen Gegensatz zur vorher aufgebauten Umgebung steht.

Bastian Klee ist der erste Preisträger mit seiner Geschichte „Die Tretmühle“. Der Autor hat hier in ebenso schlichter wie charmanter Art ein Phänomen beschrieben, welches sich ohne Abstriche in allen Formen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens manifestiert hat. Ohne erhobenen Zeigefinger wird hier aufgezeigt, welche Folgeerscheinungen die Handlungen Einzelner nach sich ziehen, so dass letztendlich für mehrere Menschen, die mit dem Auslösefaktor der Geschichte nichts zu tun haben, der Tag mit unguten Gefühlen endet. Eine wahrlich sehr beeindruckende Geschichte.

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Leipziger Buchmesse 2018: Für das Wort und die Freiheit?

Vier Tage lang hatte sich die Leipziger Buchmesse das Motto #freethewords auf die Fahnen geschrieben – oder um es in althergebrachter Weise zu sagen – man wollte für das Wort und die Freiheit einstehen. Viele Menschen verbinden mit Freiheit das Aufbrechen von Grenzen – und solche gibt es in unterschiedlicher Erscheinung: Sprachbarrieren hindern Nationen vom Genuss literarischer Werke, Lese- und Rechtschreibstörungen erschweren vor allem jungen Menschen die Wege der Allgemeinbildung, Schreibblockaden treiben Erstautoren in die Verzweiflung, Verlage klagen über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Stiftungen und Vereine wünschen sich mehr öffentliche Wahrnehmung. Kluge und einflussreiche Köpfe aus unterschiedlichen Bereichen sind also zusammengekommen um die Situation mit der Freiheit zu verbessern. Es gibt eine ganze Bandbreite an Initiativen und Plattformen; das Netzwerk ist stellenweise erfreulich engmaschig.

 

Auch der Freie Deutsche Autorenverband war vertreten, freundschaftlich unterstützt vom SALON LiteraturVerlag und der Edition Märkische LebensArt. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an alle Mitglieder aussprechen, die sich in den turbulenten vier Tagen um die kurzfristige Organisation und die Umsetzung durch z.B. Standdienst gekümmert haben.

 

Auch unser Verband beruft sich auf die Freiheit des Wortes. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder reflektiert, welche Bedeutung dieser Leitspruch mit sich zieht, welchen aktuellen Bezug er hat und wie wir ihm gerecht werden können. Das die Leipziger Buchmesse jenes Motto ungleich schwerer in ihr Portfolio aufgenommen hat, zeigt uns als Verband, dass unsere Diskussionen richtig waren und wichtiger als bisher werden. In unserem Verband vereinen wir Schriftsteller und Buchhändler, Verleger, Übersetzer, angehende Autoren und Selfpublisher. Diese Vielfalt an eigenen Interessen (der Lyriker möchte, dass seine Werke zitiert werden; der Übersetzer mag die Werke, welche er liebt, auch anderen Nationen zugänglich machen; angehende Autoren suchen methodische Hilfe, etc.) ist das Spiegelbild zu den eingangs erwähnten Grenzen, welche Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion, Demographie und Technologie uns aufgezeigt haben.

 

Ich schrieb anfangs lakonisch, die Gäste der Leipziger Buchmesse kamen zusammen, um die Situation mit der Freiheit zu verbessern. Das "Wort" sparte ich aus, denn ich denke, der große Begriff "Freiheit" ist auf den Leseinseln, auf den Videoleinwänden und in den Podcasts der Presse gut aufgehoben. Als Freier Deutscher Autorenverband sollten wir uns dem "Wort" als solches widmen und es "befreien", indem wir unsere Mitglieder nach Möglichkeit in ihren Interessen unterstützen. Beispielsweise ermöglichen wir traditionell eine Veranstaltung am Messesamstag im Rahmen von "Leipzig liest!". Dieses Jahr brachten Katrin-Schinköth Haase und Florian Claus Biographie und Werke des Dichters Christian Morgenstern in einem musikalischen Theaterstück dem Publikum näher. Zeitgleich konnte der Landesverband Sachsen dem tschechischen Autor und Filmemacher Petr Mikšíček eine Lesung über die Sagengestallt "Marzebilla" ermöglichen. Beide Veranstaltungen zeigen exemplarisch, wie der Freie Deutsche Autorenverband für eigene wie außenstehende Autoren helfend zur Hand gehen kann, wie wir unsere Rolle als Kulturschaffende in einer Gesellschaft erfüllen und dabei Werte und Bildung vermitteln können.

 

Mag 2018 der äußere Auftritt auf der Buchmesse weniger glanzvoll erschienen sein als in den Vorjahren – die innere Selbstfindung, die wir Mitglieder mit dem Verein derzeit durchlaufen, hat höheren Stellenwert. Sie wird zukunftsweisend und mit unseren gegebenen Mitteln der Freiheit des Wortes zugänglich sein.

 

Oliver Guntner

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Frühlingstagung 2018 des FDA Nord

Der Freie Deutsche Autorenverband, Landesverband Nord, richtet zweimal im Jahr eine dreitägige Tagung für die Vereinsmitglieder aus. Meine Zusage gab ich spontan. Rückblickend hatte es zwei Anreize dafür gegeben: Zum einen die sympathische Art der Landesvorsitzenden Dorit Berger, die von der geplanten Tagung berichtete, zum anderen die pure Neugier, Mitglieder und Arbeitsweise anderer Landesverbände kennenzulernen. Beides bewog mich nachzufragen – und ja, ich wurde herzlich eingeladen.

So machte ich mich am 20.04.2018 also auf nach Vechta, pendelte mit der Bahn über Göttingen nach Bremen und schließlich durch die niedersächsische Landschaft. Während der Zugfahrt zweifelte ich stark an mir: Im Januar hatte ich zu unserer FDA-Bundesversammlung große Töne gespuckt. Einen Vortrag über Poetry Slam halten – das hatte ich schon zwei-, dreimal gemacht. Aber nie so lange, dass es für einen ganzen Programmpunkt reichte. Konzentriert hatte ich mich bisher auf den unterhaltenden Aspekt, nicht auf inhaltliche Diskussionen. Während der Umsteigezeiten notierte ich mir alle fixen Ideen, die mir in den letzten verbliebenen Stunden noch einfielen.

Das Programm selbst gefiel mir außerordentlich gut, betonte es doch großzügig Pausen und Freiräume für reichliche Diskussionen untereinander. Diese kamen bei den letzten Bundestagungen bereits immer sehr kurz. In Vechta würden sich hauptsächlich Mitglieder des FDA Nord treffen, dennoch ist der Landesverband flächenmäßig betrachtet weitläufig und daher sollte ein solcher Kongress die Möglichkeit des privaten Austausches fordern und fördern.

Die angereisten Autorinnen und Autoren lernte ich erst beim Abendessen kennen. Die lockere Gesprächssituation war sehr angenehm und mich überraschte, dass viele der Anwesenden einige Lebensjahre in Thüringen verbracht hatten und ich mich daher gar nicht so allein im Norden vorfand, wie ursprünglich angenommen. Schon am ersten Abend also fand ich mich in Gesprächen über z.B. Fantasy- und Science Fiction-Literatur wieder, erfuhr von einigen Schreibgruppen und Lesebühnen, welche meine Gesprächspartner besuchten oder z.T. unterhielten. Wie ganzheitlich die Person als solche hier gesehen wurde, zeigte sich daran, dass sich die Gespräche allmählich von der Literatur entfernten und ich den Tag abschloss, froh darüber sein zu können, nicht im Sternzeichen Fische oder Wassermann geboren worden zu sein (denn, so beteuerte man mir, einige unserer Gespräche wären sonst nicht so harmonisch verlaufen).

 

:-)

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Rückblick zur Lesung - Annemarie Steigers 110. Geburtstags

Die vier Autoren von links nach rechts: Friedemann Steiger, Martin Steiger, Anna-Maria Meussling und Georg Steiger. Foto: Mariane Steiger
Die vier Autoren von links nach rechts: Friedemann Steiger, Martin Steiger, Anna-Maria Meussling und Georg Steiger. Foto: Mariane Steiger

In den Lehren und Schriften jeder größeren religiösen Strömung findet sich ein Passus, der in seiner Form die Gläubigen dazu aufruft, Mutter und Vater zu ehren. Mit einer Lesung zum Gedenken an ihren 110. Geburtstag haben die vier Geschwister und Schreibende Anna-Maria Meussling, Martin, Friedemann und Georg Steiger ihrer Mutter Annemarie Steiger gedacht. Obwohl auch der Vater Herbert Steiger der vier Geschwister Erwähnung findet, sind die Texte stärker mit dem Leben und Wirken der Pfarrfrau, Organistin und Katechetin verwoben. Die vorgetragenen Stücke setzen dabei keine literarische und monumentale Gedenktafel an die Eltern, sondern bauen durch ihre unterschwellige Intertextualität und die nüchterne, aber herzliche Auswahl an Anekdoten und Pointen ein nuancenreiches Hintergrundbild auf. Dieses Hintergrundbild – ähnlich einem Bleiglasfenster in der Kirche – zeigt uns detaillierte Einblicke in das Leben der Angedachten. Es verrät uns nicht nur, wie das Leben des Ehepaares Steiger verlief; die Geschwister laden uns auch ein, an den Erfahrungen und Entdeckungen teilzuhaben, welche sie mit ihren Eltern gemacht haben. Dadurch erleben auch wir die Wertschätzung und Dankbarkeit der Kinder.

So unterschiedlich die vier Geschwister schreiben, so erweisen sich auch die erzählten Geschichten. Sei es die Begegnung mit dem aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Vater, der für eines der Geschwister mehr Fremder als Vater war, sei es die rebellische Weigerung des Jüngsten, nicht zum Gottesdienst zu gehen und viel lieber mit den neuen Spielsachen zu spielen oder sei es ein ganzer Lebensabschnitt, der mit der Liebe zu den Heiligenfiguren beginnt und mit dem Berufsabschluss als Restauratorin ausläuft.

Georg Steiger während der Lesung im Pfarrhaus in Gebesee. Foto: Anna-Maria Meussling
Georg Steiger während der Lesung im Pfarrhaus in Gebesee. Foto: Anna-Maria Meussling

 

Alle Geschichten verbindet die Liebe, der Respekt und die Dankbarkeit zu den Eltern. Die Zuhörer erfahren und reflektieren, wie viel Zeit und Kraft Annemarie und Herbert Steiger in die Erziehung ihrer Kinder gesteckt haben; gleichzeitig sieht man die vier vor sich; alle gestandene Frauen und Männer, alle in warmen Erinnerungen an die guten wie die schlechten Tage schwelgend, alle auf ihre Art charmant und etwas lausbubenhaft beim erneuten Durchleben längst vergangener Tage. Ich  persönlich denke ehrfürchtig an diese Veranstaltung zurück; sie hat mich über meine eigene Einstellung zu meinen Eltern reflektieren lassen. Zwar sind die äußeren Umstände meiner Kindheit aus den 90er-Jahren nicht mit dem Aufwachsen in der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit zu vergleichen, doch laufen ähnliche charakterliche Entwicklungen ab: Obwohl ich relativ wenig gegen meine Eltern „rebelliert“ habe, war mir nicht bewusst, wie sehr sie mich und meine Ansichten, mein Verhalten und meine Sicht der Dinge vorgeprägt haben. Ich bin ihnen dankbar für diese Orientierungspunkte. Ohne die Hingabe und Leidenschaft, mit denen die vier Geschwister aus Gebesee ihre Gefühle niedergeschrieben und veröffentlicht haben, würde ich heute nicht im Kreis meiner Familie sitzen und Mutter und Vater so ehren, wie es ihnen gebührt.

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Der Verein

Mitgliedertreffen 2014 in Jena
Mitgliedertreffen 2014 in Jena

Der Freie Deutsche Autorenverband, Landesverband Thüringen e.V. ist ein Kreis von Autoren mit dem Schwerpunkt Thüringen, die sich gegenseitig bei der Herstellung und Verbreitung von literarischen Werken unterstützen. Bei unserem Verein handelt es sich um keine trockene Kulturverwaltung, sondern um ein lebendiges Forum, in dem die gesellschaftliche Wirklichkeit manchmal zornig, aber allgemein doch in großer Heiterkeit diskutiert und künstlerisch mitgestaltet wird. Zu den Treffen des Vereins sind Schriftsteller aller Altersgruppen herzlich eingeladen, zu lesen, sich der Diskussion zu stellen und aktuelle Literatur kennenzulernen. Unsere Vereinsmitglieder geben Tipps und zeigen Kniffe auf von der Planung eines Spannungsbogens über Vortragstechnik bis hin zur Vermarktungsstrategie. Wer experimentierfreudig gestimmt ist, kann bei uns Grundlagen zum Schreiben von Essays, Haikus, Theaterstücken et cetera bekommen.

Hier geht es zu einem Interview mit Hansjörg Rothe vom 18.03.2016 auf der Leipziger Buchmesse. Der Verein stellt sich vor, seine Geschichte wird beleuchtet sowie Möglichkeiten aufgezeigt. Weiterhin bespricht Hansjörg zukunftsnahe Veranstaltungen.


Satzung und Aufnahmeantrag

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Satzung FDA Thüringen
Die Satzung des FDA Thüringen im pdf-Format zum Download.
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Aufnahmeantrag
Der Aufnahmeantrag des FDA Thüringen im pdf-Format zum Download
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Mitglieder

Oliver Guntner (1. Vorsitzender)

Katrin Schinköth-Haase



Links

Adresse Beschreibung
Der BVjA Bundesverband junger Autorinnen und Autoren
Das Lindenblatt Die vereinsnahe Jahreszeitschrift "Das Lindenblatt"
Die DHG Deutsche Haiku-Gesellschaft e.V.
Freier Deutscher Autorenverband Webseite des Bundes-FDA
Friedrich-Bödecker-Kreis-Thüringen Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen
Thüringer Literaturrat Literaturrat Thüringen

Kontakt

Unsere Tagungen stehen allen Interessierten offen, die vom Vorstand nicht in begründeten Einzelfällen ausgeschlossen sind. Damit ist es jedermann möglich, Werke vorzustellen und sich dem Verein zu empfehlen.

Gästebuch

Kommentare: 3
  • #3

    Kathrin Renner (Mittwoch, 06 März 2019 16:08)

    Guten Tag,
    ich möchte auf diesem Wege mein beiden Bücher vorstellen und fragen, ob ich Ihnen Flyer senden darf.
    Die Titel lauten: "Wo bitte ist denn hier der Jakobsweg? " und "Verflucht und geliebt - die Cévennen-"
    Gern können Sie sich auch auf meiner Website belesen.

    Viele Grüße
    Kathrin Renner

  • #2

    Małgorzata Różańska (Freitag, 16 Juni 2017 20:52)

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Der Verein Villa Decius in Krakau und die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin schreiben 2017 wieder Künstlerstipendien aus. Diese richten sich an deutsche Schriftsteller sowie Literaturübersetzer aus dem Polnischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Polnische. Die Stipendiaten erhalten die Möglichkeit, 1-3 Monate in der Villa Decius in Krakau zu verbringen und an ihren Werken zu arbeiten.

    Die Bewerbungsfrist ist der 30.06.2017. Ihre Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Motivationsschreiben, Liste von Publikationen/ Übersetzungen) senden Sie in deutscher oder polnischer Sprache bitte an gosia@villa.org.pl
    Hier der Link zur Ausschreibung: http://villa.org.pl/villa/en/aktualnosci-post/stypendia-tworcze-2017-nabor-do-30-czerwca/


    Mit herzlichen Grüßen,
    Małgorzata Różańska
    Projektkoordinatorin
    Verein Villa Decius
    28 Lipca 1943 17A
    30-233 Krakow
    Polen
    gosia@villa.org.pl
    www.villa.org.pl
    +48 513 00 18 09

  • #1

    Inge Beer (Sonntag, 02 Oktober 2016 00:08)

    Glückwunsch zu eurer neuen Website. Sehr schön, gefällt mir ausgesprochen gut. Ich freue mich schon riesig, euch alle auf dem Kongress wiederzusehen. Bis bald. Lieben Gruß Inge